Handballer zurück zu den Wurzeln?

Da die Sportler des HV 90 Artern nicht die Halle nutzen können, wollen sie auf den Fußball-Rasen ausweichen

Feldhandball gab es schon beim HV 90 Artern, auch wenn es eine Weile her ist. Archiv-Foto                                             <b>Wilhelm Slodczyk</b>

Feldhandball gab es schon beim HV 90 Artern, auch wenn es eine Weile her ist. Archiv-Foto Wilhelm Slodczyk

Michael Voß

Artern Feldhandball – allein schon das Wort verklärt den Blick manches sportbegeisterten Routiniers jenseits der 70 nostalgisch. Erinnert an Zeiten vor 1960, als die Sportart fast nur draußen und bei fast jedem Wetter gespielt wurde. Und deutsche Mannschaften schier unschlagbar waren…

„Ja, es könnte in Artern das Motto gelten: Zurück zu den Wurzeln – aus der Not heraus und zumindest im Training“, sagt Stefan Saxe. Und der Präsident des HV 90 weiß nicht so recht, ob er dazu lächeln oder seufzen soll. Corona, das bringt für die rund 90 aktiven Spielerinnen und Spieler, vom Steppke bis zum Senior, „eine große Herausforderung“ (Saxe) mit sich, vielleicht eine der kniffligsten in 95 Jahren Arterner Handball.

Klar, nach Lockerung der Corona-Regeln möchte das Gros endlich wieder trainieren. „Wir wollen das zeitnah anbieten“, sagt Saxe nach einer Telefonbesprechung mit Vorstand und Coaches. Hat aber ein Problem: Wo? Einerseits, da ist sich der Präsident mit den anderen Entscheidern einig, sei in der relativ kleinen Halle am Königstuhl ein gefordertes Hygiene- und Abstandskonzept nicht umsetzbar. „Zumindest nicht in unserer Sportart.“ Die sei ja, im Normalfall, Vollkontakt – ähnlich dem Ringen. Vor allem, wenn am Kreis gehalten, gesperrt und geblockt werde.

Andererseits benötigt die Grundschule die Halle demnächst als zusätzliche Räumlichkeit für den Unterricht, weil vermutlich Klassen wegen Abstandsregeln gesplittet werden. Saxe: „Da dürfen und wollen wir auch nicht konkurrieren. Bildung geht vor.“

Und nun? Sprechen Saxe & Co. eifrig mit mehreren Fußballvereinen in und um Artern sowie der Stadt selbst, ob man schnellstmöglich einen Rasen-Sportplatz nutzen kann. Der Präsident ist sich trotz des ungewohnten Terrains sicher, an der frischen Luft mit mehr Platz könnten die Auflagen wie zwei Meter Mindestabstand und Desinfizieren eingehalten werden. Zumal zunächst nur in Kleingruppen trainiert werden soll. „Und auf aggressives Zweikampfverhalten verzichten wir.“

Und wann geht es los? „Erst wenn wir die Lokalität fix haben, kann das konkrete Konzept folgen“, erklärt Saxe. Die Jugendlichen und Frauen des Vereines würden am liebsten sofort wieder anfangen. Die Männer erachten einen Start im Juli als ausreichend. Der Verband hat schließlich die Saison für beendet erklärt, die neue soll erst Mitte September starten.

Dass auf dem ungewohnten Rasen- oder Sanduntergrund nicht ausreichend trainiert werden kann, glaubt Saxe nicht. „Klar, Dribbeln ist schwierig. Alles wird großflächiger, kontaktärmer. Aber wir können ja ein Kleinfeld abstecken.“ Außerdem: So völlig fremd erscheint den Arternern das Terrain nicht. Rasenturniere, meist in Reinsdorf und Voigtstedt ausgetragen, haben hier Tradition. Und meist schnitten die Gastgeber stark ab.

Allerdings: Über den Sommer hinaus und bei Gewitter wird es schwierig. Das nervte schon die Altvorderen der Sportart, als sie Anfang der 1960er-Jahre den ehemaligen Saal der Gaststätte „Zur Saline“ zur ersten „Handballhalle“ der Stadt umbauten. Wo die Betriebssportgemeinschaft „Motor Kyffhäuserhütte“ dann denkwürdige Bezirksliga-Spiele bestritt. Ab 1985 ging es dann in der Sporthalle am Königstuhl rund.

Rasen, das weiß Saxe, ist keine Dauerlösung. Nicht fürs Training, schon gar nicht für Punktspiele. Dabei ist die jetzige Suche nur ein Vorziehen des Problems, das auf den HV 90 zukommt: Denn im Sommer oder Herbst soll das in die Jahre gekommene Domizil am Königstuhl abgerissen werden. „Wir haben dann zwei Jahre lang keine Heimspielstätte.“ Aktuell verhandeln Saxe und seine Mitstreiter mit Landratsamt und Kommunen, ob Bad Frankenhausen oder die Mehrzweckhalle in Bottendorf als Ausweichquartier in Frage kommen können.

Und Saxe hofft auf baldige Klarheit. „Wenn andere Vereine in der Krise schneller reagieren und etwas bieten, bekommen wir natürlich Druck. Unsere Leute wollen irgendwann wissen, woran sie sind.“ Es wartet eine Herausforderung. In unruhigen Zeiten.

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